Paris

PARIS IM KLEINEN.

Es war ein sonniger Herbstvormittag in Paris als ich mich mit meinem Smartphone auf einen besonderen Spaziergang in Paris begab. Da ich von dem Jahr 2003 aufwärts in der französischen Hauptstadt lebte, ist mein Blick ein anderer als wenn ich neue Städte entdecke. Während meiner Zeit in Paris radelte ich ausschließlich und verzichtete maximal möglich auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Bis heute kenne ich viele der kleinen Pariser Seitenstraßen, was dabei hilft, den Verkehr auf den großen Boulevards zu umgehen. Gleichzeitig ist mein Blick auf die Stadt nicht frisch. Das typisch Besondere an Paris neige ich somit zu übersehen. 

Deshalb setzte ich mir an diesem Samstag Vormittag das Ziel, einzig die Rue de la Roquette in dem 11ème Arrondissement zu erkunden. Ich wollte die Spuren aufsuchen, die von dem dortigen Leben der Pariser zeugen. Spuren, die einen Hinweis auf das geben, was sich vielleicht kurz zuvor an dieser Stelle ereignet haben mag. Der Betrachter ist eingeladen, in die Bilder einzutauchen. Typischerweise erscheint dann eine erste Assoziation. Ein erster Gedanke, wieso und weshalb. Unser Geist arbeitet, er möchte verstehen und vielleicht auch kategorisieren. Wir schaffen uns damit eine Welt, in der das Gesehene verständlich wird. Ob dem aber tatsächlich so ist, bleibt ungeklärt. Das Bild gibt nur einen Moment des Jetzt wieder. Das, was war, und das, was kommen wird, bleibt Dunkel.

Das 11ème Arrondissement zählt zu den mit am dichtesten bevölkerten Gebieten der Welt. Ich verbrachte dort einen Teil meines Studiums, indem ich bei einer Pianistin und ihrem Mann, einem Regisseur, hoch über den Dächern von Paris im sechsten Stock einer schönen Wohnung ein kleines Zimmer anmietete. Meine erste Berührung mit Paris fand in diesem Viertel statt. Die Gegend ist geprägt von Bobos, Künstlern und Kreativen. Sein Zeitgeist ist politisch-links. Charlie Hebdo hat nicht ohne Grund dort seinen Sitz. Seit den Anschlägen von Paris erlangte das Viertel traurige Berühmtheit. Umso erfreulicher ist es, dass das 11ème Arrondissement weiterhin eines der buntesten Nachtleben von Paris besitzt. 

Hintergrund: 

Der überraschende Verlust meiner Kamera brachte mich während einer meiner letzten Paris Besuche dazu, mit dem Smartphone zu experimentieren. Etwas, dass die jüngere Generation hervorragend versteht und auf Portalen wie Instagram verbreitet. Für mich war die Nutzung meines Smartphones als Kunstmedium ein Novum. Klar, ich nutzte den Photo Button des Handys bereits um Momente mit Freunden festzuhalten, Selfies aufzunehmen und schöne Buchzeilen zu merken. Noch nie zuvor hatte ich mich aber ausschließlich auf die Phone Kamera in dieser Form verlassen. Rasch merkte ich den Unterschied. Schnappschüsse sind leichter und sogar unauffälliger möglich. Mehr Photos irgendwie auch.