Burning the Man

BURNING MAN

So verrückt Burning Man ist, so wunderbar ist es zugleich. Die Idee, mit mehr als 80.000 Menschen für eine Woche lang eine sich selbstversorgende Stadt in der Wüste Nevadas zu errichten, ist einzigartig. Ja, es stimmt: Burning Man ist hip und überproportional viele CEOs und andere Leader mischen sich unter all die Feder-, Leder- oder auch Garnixtragenden. Viel Geld ist da. Wenig aber auch. Schlafen im Auto geht genauso wie sich den eigenen Stylisten einfliegen zu lassen. Während meiner ersten Tage im Burner Leben und auch gerade dann, wenn ein weiterer Sandsturm die klebrigen Steinteilchen wirklich überall – von der Nasenspitze bis unter die Kleidung – gewirbelt hatte – stellte ich mir die Frage: „Coco, was genau machst Du hier?“. Sex, Drugs, Alcohol & Rock n’Roll inmitten typischer amerikanischer Oberflächlichkeit. Bin ich wirklich deshalb einmal um die halbe Erde geflogen? Ich holte tief Luft, blickte in den Himmel und wartete auf eine Antwort. Da mir kein Zeichen gegeben wurde, entschied ich, mein Los selbst in die Hand zu nehmen und einen Ort auf der Playa zu finden, an dem ich selbst auf die Antwort für mich stoßen kann. Ich radelte deshalb zum Tempel, einem großen, luftig gebauten Gebäude, in dem Zeremonien zum Loslassen und Abschied nehmen stattfinden sollen. Mein persönlicher Turning Point. Ab da war nichts mehr, was einmal war. Ich wurde auf den Kopf gestellt, re-booted. Ab dieser Erfahrung änderte sich auch meine gesamte Betrachtung des Burning Man. Ich glaube, dieser Prozess erlaubte es mir in der Folge erst überhaupt, die mit schönsten Begegnungen mit tiefen, reifen Menschen erleben zu dürfen, Antworten auf existentielle Fragen gefunden und mich von der Schönheit der Wüstensonnenuntergänge in andere Welten treiben lassen zu können.